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    Leadership Pattern

    5 Wege, einen Kollegen anzusprechen, dem die Arbeit zu viel wird

    Wir merken oft früher als die Person selbst, dass es jemandem mit der Arbeit nicht mehr gut geht. Und genauso oft schweigen wir, weil wir nicht wissen, wie wir es ansprechen sollen, ohne zu nahe zu treten. Diese fünf Bewegungen sind aus Coaching-Gesprächen entstanden, in denen genau diese Frage immer wieder auftaucht.

    1. Das Schweigen brechen

      Der erste und schwerste Schritt ist, das Schweigen zu brechen. Aus Wahrnehmung heraus, ohne Diagnose. Ein einfaches „Ich sehe Dich“ ist oft schon das Entscheidende. Es signalisiert: Du bist nicht unsichtbar, und was Dir gerade passiert, ist nicht egal. Mehr braucht es im ersten Moment häufig gar nicht.

    2. Mit Ich-Botschaften sprechen

      „Du bist ja ganz gestresst“ klingt fürsorglich, ist aber ein Urteil über den anderen. Besser: „Ich sehe, wie lange Du im Büro bist. Es fühlt sich für mich so an, als wärst Du gerade ziemlich am Limit.“ Wer von sich spricht, lässt dem anderen die Hoheit über das eigene Erleben. Die Person kann annehmen, korrigieren oder einfach sagen: Alles gut. Wer fühlt, hat recht, das gilt für beide Seiten.

      Marshall Rosenberg hat diese Bewegung in der Gewaltfreien Kommunikation formalisiert: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte, in dieser Reihenfolge. Mehr dazu im Beitrag zur Gewaltfreien Kommunikation. Im Alltag reicht oft schon der erste Schritt: bei der eigenen Wahrnehmung bleiben, ohne das Erleben des anderen zu benennen.

    3. Den Raum mit Fragen öffnen

      Verzichten Sie auf autobiografische Ausflüge und auf Bezug zum eigenen Stress. Was tröstlich gemeint ist, verschiebt das Gespräch zu Ihnen. Eine offene Frage wie „Wer oder was könnte Dir gerade helfen?“ öffnet den Lösungsraum, den der andere gerade nicht alleine betreten kann. Das ist mehr wert als jede gut gemeinte Parallele.

    4. Auf Ratschläge verzichten

      Ungefragte Ratschläge sind, wie es so treffend heißt, auch Schläge. Sie kommen meist aus eigener Unruhe heraus. Stellen Sie Fragen, die dem anderen die Regie zurückgeben: „Was würde Dir gut tun?“ oder „Wie kann ich Dich konkret unterstützen?“ Das verlangt mehr Geduld als ein Tipp und trägt deutlich weiter.

    5. Die Grenze der eigenen Rolle anerkennen

      Sie sind Kollege, Führungskraft, Freund. Sie sind kein Therapeut. Wenn Sie den Eindruck haben, dass es größer ist als das, was zwischen Ihnen beiden zu lösen wäre, ist der mutigste Satz: „Ich glaube, das ist größer als das, was wir hier zu zweit klären können. Magst Du mit jemandem sprechen, der dafür ausgebildet ist?“ Diese Grenze zu ziehen ist eine Form von Verantwortung.

    Was dahinter steckt

    Warum fällt es uns so schwer, einen Menschen anzusprechen, der gerade unter Druck steht? Ein Teil der Antwort hat mit dem Gegenüber wenig zu tun. Überlastung in einem Kollegen anzusprechen heißt, kurz die eigene Nähe zu diesem Zustand zuzulassen. Das Bild des erschöpften Anderen ist immer auch ein Spiegel. Wenn wir es nicht aushalten, in diesen Spiegel zu schauen, bleiben wir lieber still.

    Hinzu kommt eine kulturelle Schicht. In den meisten Organisationen ist Auslastung ein vorgezeigtes Identitätsmerkmal. Wer beschäftigt ist, ist wichtig. Überlastung anzusprechen rührt deshalb an einer unausgesprochenen Norm. Beide Seiten ahnen das. Genau deshalb braucht es eine Geste, die ohne Bewertung auskommt. „Ich sehe Dich“ ist nicht zufällig der wirksamste Satz dieser Liste. Er bewertet nicht.

    Eine letzte Schicht: das Gefühl, helfen zu müssen. Wer einem Kollegen zuhört und merkt, wie schwer es ihm geht, spürt einen Sog, etwas tun zu müssen, eine Lösung anzubieten, einen Tipp zu geben. Wolfgang Schmidbauer hat dafür den Begriff Helfersyndrom geprägt: Helfen als unbewusste Strategie, mit der eigenen Unruhe umzugehen. Die Geduld, in einem Gespräch nicht aktiv lösen zu wollen, ist deshalb mehr als Methodik. Sie ist eine Form von innerer Reife.

    Niemand hat die Aufgabe, einen anderen Menschen vor allem zu retten. Wer das versucht, übernimmt eine Verantwortung, die ihm nicht gehört, und wird selbst Teil des Problems. Die Grenze der eigenen Rolle zu kennen und offen auszusprechen, ist die Form von Fürsorge, die trägt, ohne auszubrennen.

    Häufige Fragen

    Wann sollte ich jemanden überhaupt ansprechen?

    Sobald Ihnen auffällt, dass etwas anders ist als sonst: längere Präsenz im Büro, dünnere Reaktionen, Rückzug, Reizbarkeit, ein müder Blick über mehrere Wochen. Sie müssen nicht warten, bis das Bild eindeutig ist. Eine vorsichtige Wahrnehmung früh ist wertvoller als ein Gespräch zu spät.

    Was, wenn die Person sagt, alles sei in Ordnung?

    Dann ist das ihre Antwort, und sie verdient Respekt. Sie haben trotzdem etwas Wichtiges getan: signalisiert, dass Sie wahrnehmen und ansprechbar sind. Eine kurze Nachricht zwei Wochen später, ohne Druck, hält die Tür offen. Vertrauen entsteht selten in einem Gespräch. Es entsteht in der Verlässlichkeit über die Zeit.

    Woran merke ich, dass es größer ist als ein Kollegengespräch?

    An anhaltenden Schlafproblemen, Antriebslosigkeit über Wochen, sozialem Rückzug auch im Privaten oder dunklen Gedanken, die in Andeutungen auftauchen. Das sind keine Themen für ein Pausengespräch. Hier ist der respektvollste Schritt, die Grenze der eigenen Rolle offen zu benennen und auf professionelle Hilfe hinzuweisen.

    Wann lohnt sich Coaching für Führungskräfte, die solche Gespräche regelmäßig führen?

    Immer dann, wenn Sie merken, dass Sie zu oft die Verantwortung für die Stimmung im Team mittragen. Wenn die Sorge um andere beginnt, Ihre eigene Energie zu binden, oder wenn Sie unsicher sind, wo Ihre Rolle endet. Im Coaching schauen wir gemeinsam darauf, wie Sie präsent bleiben, ohne in den Sog des Helfens zu geraten, und wie Sie Gespräche führen, die wirklich tragen.

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