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    IFS im Coaching: Ein Erfahrungsbericht

    Internal Family Systems hat meine Coaching-Praxis verändert wie keine Methode zuvor. Richard Schwartz beschreibt das Innere als Familie aus Anteilen: Manager, Feuerwehrleute, Verbannte. Ein Erfahrungsbericht, warum ich nun die formale IFS-Ausbildung beginne.

    Bleistiftzeichnung: Eine Person sitzt klar und präsent an einem runden Tisch, um den herum mehrere durchscheinende Gestalten Platz genommen haben – Sinnbild für die inneren Anteile im Internal Family Systems.
    Innere Anteile am runden Tisch. Im IFS leitet das Selbst – und alle Anteile dürfen gehört werden.
    März 20264 Min. Lesezeit

    Anfang März war ich für eine Woche in Balderschwang im Allgäu. Nicht zum Skifahren, sondern zur IFS-Meditationswoche bei Thomas Schneider von Wege zum Sein. Was ich dort erfahren habe, verändert seitdem meine Arbeit als Coach.

    Was ist Internal Family Systems (IFS) im Coaching?

    Internal Family Systems (IFS) ist ein Ansatz, der davon ausgeht, dass unsere Psyche aus verschiedenen inneren Anteilen besteht, Teilen, die unterschiedliche Rollen übernommen haben, oft schon in der Kindheit. Es gibt Anteile, die uns schützen wollen, Anteile, die Schmerz tragen, und Anteile, die dafür sorgen, dass wir funktionieren. Hinter all diesen Teilen liegt das, was IFS als das Selbst bezeichnet: ein innerer Kern, der Klarheit, Ruhe, Mitgefühl und Verbundenheit verkörpert.

    Entwickelt wurde IFS von dem amerikanischen Familientherapeuten Richard C. Schwartz, der die Prinzipien der systemischen Familientherapie auf die innere Welt des Einzelnen übertrug. In den USA ist der Ansatz seit 2015 vom Gesundheitsministerium als evidenzbasiert anerkannt. In Deutschland wächst die IFS-Community seit einigen Jahren stark, über drei Institute (München, Berlin, Heidelberg), die von den Psychotherapeutenkammern zertifizierte Fortbildungen anbieten.

    Das Besondere an IFS: Man arbeitet nicht gegen die eigenen Anteile, sondern mit ihnen. Man versucht nicht, den inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen oder die Angst zu unterdrücken. Stattdessen geht man in einen achtsamen, neugierigen Kontakt mit diesen Teilen, und fragt, was sie brauchen.

    Die Woche in Balderschwang

    Das Seminar fand im Bio-Berghotel Ifenblick statt, einem kleinen Ort mit 300 Einwohnern im Oberallgäu. Thomas Schneider, der Gründer von Wege zum Sein, leitete die Woche. Die Kombination aus Meditation, geführter IFS-Arbeit, Selbsterfahrung und Stille in der Berglandschaft war genau das richtige Setting, um sich auf diese innere Arbeit wirklich einzulassen.

    Was mich an Thomas Schneider beeindruckt hat: Er vereint eine Tiefe an Erfahrung, die selten ist. Seit 2003 begleitet er hauptberuflich Menschen durch Achtsamkeitsseminare und Retreats. Er ist ausgebildeter IFS-Therapeut (IIFS Institut Berlin), MBSR-Lehrer, MSC Trained Teacher und hat über vier Jahre in Asien und Europa an Universitäten und Klöstern studiert und unterrichtet. Er trägt den buddhistischen Lehrer-Titel Nyinche Dorje. Aber was seine Arbeit wirklich auszeichnet, ist nicht die Summe seiner Qualifikationen, es ist seine Fähigkeit, einen Raum zu schaffen, in dem sich Menschen sicher genug fühlen, ehrlich nach innen zu schauen. Er begegnet jedem Teilnehmer mit einer Präsenz und Feinfühligkeit, die man sofort spürt.

    In dieser Woche habe ich erfahren, was IFS über die Theorie hinaus bedeutet. Wenn man erlebt, wie ein innerer Anteil, der seit Jahrzehnten im Dienst steht, zum ersten Mal wirklich gehört wird, dann versteht man die Kraft dieser Methode. Es ist kein intellektuelles Verstehen. Es ist ein Erleben.

    Was das für mein Coaching bedeutet

    Ich arbeite bereits seit einiger Zeit mit IFS-Elementen in meinem Coaching. Die Woche in Balderschwang hat diesen Ansatz vertieft und mir neue Werkzeuge gegeben, die ich seitdem in meine Arbeit mit Führungskräften integriere.

    In meinen Coaching-Sitzungen erlebe ich regelmäßig Situationen, in denen das klassische Werkzeugset an Grenzen stößt. Eine Führungskraft weiß rational, dass sie delegieren sollte, und tut es trotzdem nicht. Ein C-Level-Manager erkennt, dass sein Perfektionismus ihn ausbremst, und kann ihn trotzdem nicht loslassen. Eine Gründerin versteht, dass sie sich Unterstützung holen muss, und bittet trotzdem niemanden um Hilfe.

    In solchen Momenten liegt die Lösung selten auf der Verhaltensebene. Es gibt innere Anteile, die gute Gründe haben, am bisherigen Muster festzuhalten. Oft sind es Schutzstrategien, die in einer früheren Lebensphase entstanden sind und bis heute loyal ihren Dienst verrichten. Sie einfach zu übergehen oder mit Willenskraft zu überstimmen, funktioniert nicht nachhaltig.

    IFS bietet hier einen Weg, der respektvoll und gleichzeitig wirksam ist: Man geht in den Dialog mit dem Anteil, versteht seine Funktion, würdigt seine Arbeit, und verhandelt gemeinsam eine neue Rolle. Das klingt einfach. In der Praxis ist es eine Kunst.

    Der nächste Schritt: IFS-Fortbildung

    Um IFS noch fundierter in mein Coaching einbringen zu können, starte ich im Juni 2026 die formale IFS-Fortbildung bei Regina Wagener am IFS-Institut München. Regina Wagener ist Diplom-Psychologin, Systemische Therapeutin und hat das IFS-Training bis Level 3 in Deutschland und den USA abgeschlossen. Als Trainerin am IFS-Institut München gehört sie zu den erfahrensten IFS-Ausbilderinnen im deutschsprachigen Raum.

    Die Fortbildung umfasst ein Basistraining und ein Aufbautraining mit dem Ziel der Zertifizierung als IFS-Coach. Sie ist von den Psychotherapeutenkammern anerkannt und entspricht internationalen Standards.

    Für wen ist IFS im Coaching relevant?

    Aus meiner Erfahrung ist IFS besonders wirksam für Menschen in anspruchsvollen Führungsrollen:

    • Führungskräfte, die trotz klarer Erkenntnis an wiederkehrenden Mustern feststecken
    • Manager, die unter Dauerdruck stehen und merken, dass ihre Resilienz-Strategien nicht mehr greifen
    • Gründer, die den Übergang vom operativen Macher zur strategischen Führungskraft gestalten wollen
    • Erfahrene Leader, die ihr „Finetuning" suchen, die Nuancen, die den Unterschied zwischen gut und herausragend ausmachen

    IFS ersetzt dabei keine klassischen Coaching-Methoden. Es ergänzt sie um eine Dimension, die mir vorher gefehlt hat: den systematischen, achtsamen Zugang zur inneren Landschaft eines Menschen.

    Weiterführende Informationen

    Häufige Fragen

    Was ist IFS (Internal Family Systems)?
    IFS ist ein psychologisches Modell, entwickelt von Richard C. Schwartz, das davon ausgeht, dass unsere Psyche aus verschiedenen inneren Anteilen besteht. In den USA ist die Methode seit 2015 vom Gesundheitsministerium als evidenzbasiert anerkannt.
    Für wen ist IFS im Coaching relevant?
    Besonders wirksam für Führungskräfte, die trotz klarer Erkenntnis an wiederkehrenden Mustern feststecken, für Manager unter Dauerdruck, für Gründer im Übergang vom Macher zur strategischen Führung und für erfahrene Leader, die ihr Finetuning suchen.
    Ersetzt IFS klassische Coaching-Methoden?
    Nein. IFS ergänzt klassische Coaching-Methoden um eine Dimension, die einen systematischen, achtsamen Zugang zur inneren Landschaft eines Menschen ermöglicht.

    Besonders relevant für

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